Simbabwe: die Krise und unsere Projekte

Simbabwe steckt tief in der Krise. Für „Lernen für alle“ eine Herausforderung, die Menschen vor Ort zu unterstützen und für euch eine Chance, in konkreten Projekten einen Beitrag zu leisten.

In den grossen Städten wurden in den letzten Monaten Demonstrationen niedergeschlagen. Benzin, das z.B. für Transporte zu Märkten und Spitälern für viele Menschen existenziell wichtig ist, wurde bis 9 Dollar/Liter verteuert, Wasser und Strom rationiert. Die Bevölkerung leidet extrem unter dem rapiden Zerfall der Währung und der Aussichtslosigkeit angesichts wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten.

In diesen schwierigen Zeiten haben mehrere Personen Mpumelelo besucht: Sibylle Ganz-Koechlin, welche die Cambridge Schulungsmaterialien auf die Situation in Simbabwe anpasst, hat während einer Besuchsreise verschiedener Projekte in Simbabwe Anfang Juli zwei Tage in Mpumelelo verbracht, um die Menschen und die Situation kennen zu lernen. Ursula und David Anania haben fünf Wochen in Mpumelelo gelebt, Englisch gelernt und mitgeholfen, wo Not an der Frau oder am Mann war.

Unsere Lehrpersonenentwicklung kommt zwar langsam, aber gut voran: 25 Lehrpersonen verändern wie geplant ihren Unterrichtsstil und fördern die aktive Beteiligung der Schüler*innen im Unterricht. Wir können erwarten, dass sich die in einer Master-Arbeit sorgfältig analysierten Veränderungen auch in den Leistungen der Schüler*innen niederschlagen werden. Das wollen wir nächstes Jahr genauer prüfen. Im letzten Trimester 2019 werden wir die didaktische Schulung vertiefen und die Integration der kostenlosen Lernmaterialien in den Unterricht besonders fördern. Aufgrund der Erfahrungen dieser letzten Etappe der zurzeit finanzierten Projekte werden wir unser Engagement in den nächsten Jahren planen. Auf jeden Fall werden wir die Menschen in Mpumelelo weiterhin begleiten und auch versuchen, unsere Finanzierungspartner für diese Pläne zu begeistern.

Für diejenigen von Euch, die ihr Geld oder ihre Zeit gerne direkt in konkrete Projekte investieren, hier ein aktuelles Anliegen: Wir wollen eine Solar-Anlage mit einer Batterie anschaffen, die gewährleitet, dass die technische Infrastruktur (Server, Projektoren, Tablets, Mobilgeräte, Kopierer etc.) auch bei längeren Stromausfällen betrieben werden kann. Diese kostet ca. CHF 5’800 inkl. Installation. Wir sind dabei, Drittmittel für dieses Projekt zu beantragen, werden aber voraussichtlich etwa CHF 1’000 als Eigenmittel beitragen müssen, die nicht durch Projektgelder gedeckt sind.  

Herzlichen Dank allen, die unser Engagement unterstützen und mitgestalten! Zusammen können wir trotz der sehr schwierigen Rahmenbedingungen vieles bewegen und sind für die 1‘300 Schüler*innen und 25 Lehrpersonen wichtige Partner*innen in einer extrem schwierigen Zeit.

Meldet Euch bitte, wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt. Wir freuen uns auf alle Rückmeldungen.

Engagement in schwierigen Umständen

Sibylle Ganz-Koechlin, welche die Cambridge Schulungsmaterialien auf die Situation in Simbabwe anpasst, hat während einer Besuchsreise verschiedener Projekte in Simbabwe Anfang Juli zwei Tage in Mpumelelo verbracht, um die Menschen und die Situation kennenzulernen.

Sie schildert ihre Erfahrungen in folgenden Worten:

„Sehr eindrücklich das enorme Engagement der Lehrpersonen und auch der Schülerinnen und Schüler angesichts der überaus schwierigen Umstände:

  • Die Währungsreform, welche zu Inflation von 100% und mehr führt, d.h. die Leute können fast nichts mehr kaufen, obwohl die Läden gut gefüllt sind.
  • Stromausfälle über lange Zeit (30 Stunden und mehr).
  • Von der Wasserknappheit ist Mpumelelo bisher zum Glück nicht betroffen.

Laut Lehrpersonen leben etwa ein Viertel der Schüler*innen in sogenannten „Children led households“, d.h. sie sorgen für sich selber und leben ohne Erwachsene in einem Haushalt. Dazu kommen die Schulwege von teilweise unvorstellbaren 20km, welche zu Fuss abmarschiert werden; dies führe wiederum dazu, dass viele Schüler*innen ständig bei Dunkelheit, zwischen 4 Uhr morgens und nach 18 Uhr abends unterwegs sind. Sie sehen ihre Eltern nur am Wochenende, da diese jeweils noch oder schon schlafen, wenn die Kinder gehen oder kommen. Mit etwas Glück gibt es abends noch eine halbwegs warme Mahlzeit, für viele die einzige am Tag. Es gibt kein Mittagessen in der Schule, nur während der Examenszeit.

Ich schildere dies so ausführlich, weil mein bleibender Eindruck aus den Klassenzimmern diese so unglaublich schwierigen Situationen nicht widerspiegelt, die Schüler*innen wirken grösstenteils wach und grundsätzlich interessiert. Der Reiz der Technologie scheint zu greifen! Schulleiterin Vongai legt grossen Wert darauf, dass die Lehrpersonen die persönlichen Umstände ihrer Schülerinnen und Schüler kennen und berücksichtigen.“

Sibylle Ganz-Koechlin bei der Überreichung der FHNW Zertifikate für die «Teacher Group Meetings»

Englisch lernen in Mpumelelo

Ursula und David Anania haben fünf Wochen in Mpumelelo gelebt, Englisch gelernt und mitgeholfen, wo Not an der Frau oder am Mann war.

Ursprünglich wollten wir ja nur Englisch lernen. Als wir aber von Urs Gröhbiel hörten, dass es allenfalls möglich sein, einen Englischlehrer in Mpumelelo für Privatlektionen anzufragen und in dieser Gemeinschaft von Menschen in der Savanne Simbabwes zu leben, liess uns der Gedanke nicht mehr los. Wir wissen zwar um die Kontraste zwischen Reich und Arm auf dieser Welt, beschäftigen uns aber in unserem Alltag nicht sehr oft mit Fragen der globalen Gerechtigkeit. Schliesslich wagten wir das Abenteuer.

Wir konnten über persönliche Fragen sprechen, über Gott und die Welt, über Probleme, Lösungsansätze und Projektideen. Aus entfernt Bekannten wurden schnell Freunde. Am meisten hat uns beeindruckt, wie diese Freunde kämpfen, ihre Vision für die Schüler*innen an diesem abgelegenen Ort nicht aufgeben, grosse Risiken und Entbehrungen in Kauf nehmen und als Beispiel für ihre Umgebung vorangehen.

Die fünf Wochen in Mpumelelo waren für uns sehr eindrücklich. In langen Gesprächen am Feuer, beim Englisch büffeln, beim Reparieren von Autos und allerlei Einrichtungen, beim Häkeln und schneidern, Pflanzen giessen haben wir bemerkenswerte Menschen kennen gelernt.

Wir wollen mit dieser Gemeinschaft von Wagemutigen in Kontakt bleiben. Wenn es die politische Situation und unsere Zeitressourcen erlauben, würden wir gerne nächstes oder übernächstes Jahr wieder nach Mpumelelo reisen und unseren neu gewonnenen Freunden beim Aufbau der angedachten Projekte helfen. Am besten gleich mit ein paar Freunden und jungen Leuten aus der Schweiz – hoffen wir, dass das klappt!

Erste drei Jahre erfolgreich gestaltet

Der Verein Lernen für alle (L4a) verbrachte eine lustvoll-fröhliche Generalversammlung mit spannenden Diskussionen über die weitere Entwicklung in Simbabwe. Ein erfreulicher Jahresbericht und Jahresrechnung bestätigen, dass in den ersten drei Jahren der Vereinsgeschichte mit den  anvertrauten Mitteln schon vielen Menschen in benachteiligten Kontexten konkret geholfen werden konnte. Dabei standen die Entwicklung von Lehrpersonen, Online Coaching, partizipatorische Lehr/Lernformen und der Einsatz von kostenlosen Lernmaterialien auf Tablets im Vordergrund. Die drei Vorstandsmitglieder Urs Gröhbiel, Markus Bäumler und Dorothea Gebauer wurden einstimmig wiedergewählt.

Vier Anliegen

Für diejenigen von Euch, die in konkrete Projekte investieren resp. sich engagieren wollen, hier vier aktuelle Anliegen:

1.       CHF 500 für eine Nähmaschine, um eine Entrepreneur-Initiative der Handarbeitslehrerin in Mpumelelo zu unterstützen. Sie will mit den Schüler/innen Schuluniformen und Sportkleider nähen und verkaufen.

2.     Laptop für Abide, unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter in New Jersey: CHF 800.- (er braucht diesen für seinen Support der Lernplattform und der Nutzung von OER)

3.     Für das Projekt Deutschlernen für alle suchen wir noch eine oder zwei Person(en), welche die Projektleitung unterstützt.

4.     Der Prototyp der Deutschplattform soll von Personen, welche selber Deutschunterricht erteilen, und von Lernenden getestet werden, damit wir Feedback erhalten. Wir suchen noch weitere Personen oder Institutionen, welche sich da engagieren möchten.

Bitte meldet euch über unsere Webseite oder per E-Mail.

Herzlichen Dank!

Das Projekt „Deutschlernen für alle“ kommt voran.

Der Projektantrag mit Projektablauf und Kostenschätzungen ist verfasst.

Unser Team hat sich vervollständigt: Für die Entwicklung der Webseite, für Grafik und Design und für die Erstellung der Videos  sind engagierte Personen und Firmen gefunden. Neu sind zwei Dozentinnen für Deutschdidaktik der FHNW für die pädagogisch-didaktische Beratung dazugekommen 🙂 .

Wir haben einen ersten Beitrag zur Finanzierung erhalten. Damit können wir einen Prototypen der Online-Plattform mit einigen exemplarischen Inhalten erstellen. Diese Arbeiten werden in den nächsten Wochen beginnen.

Zugleich werden wir den Projektantrag bei verschiedenen Stiftungen einreichen.

Teacher Training und OER-Server in der Trockensavanne

Nach den zwei erfolgreichen Kick-off Wochen im September mussten wir zwei Herausforderungen meistern:

  • Teacher Training: Den lancierten Entwicklungsprozess zur Einführung partizipativer Lehr/Lernmethoden mit den engagierten Lehrpersonen über Distanz intensiv weiter gestalten.
  • OER-Server: Einen Server und 110 TabletPCs durch den Zoll bringen, testen und an der Schule so installieren, dass die Lehrpersonen und Schüler Zugang zu riesigen Sammlungen von kostenlosen Lehr/Lernmaterialien (OER) erhalten.

Dank dem ehrenamtlichen Engagement von Abide in den USA, Björn und Benjamin in England sowie Joshua, Tidings, Zwelithini und Guidance in Mpumelelo haben wir eine erste wichtige Etappe geschafft: Eine Lehrerin und zwei Lehrer wurden als Moderator/in geschult. Als Grundlage konnten wir Trainingsmaterial der Cambridge University nutzen, das Björn mitentwickelt hat und zur Unterstützung der drei Lehrpersonen via WhatsApp einsetzte – eine superspannende Erfahrung! Letzte Woche haben die die Moderatoren/in damit begonnen acht Kolleg/innen zu schulen, Joshua wird diese in die Nutzung des Servers und der Tablets einführen.

Wie geht es weiter? Björn und Urs werden zusammen mit ehrenamtlichen Lehrer/innen die Lehrpersonen in der Trockensavanne in Simbabwe von der Schweiz aus via WhatsApp unterstützen. Bis im Sommer werden die 11 Lehrpersonen auf dieser Grundlage die partizipativ gestalteten Unterrichtseinheiten massgeblich ergänzen.

Sich vernetzen: für Schüler und Lehrpersonen in Simbabwe

Bildung ist der Schlüssel, wenn Menschen sich weiterentwickeln wollen. Die Chancen dazu sind allerdings ungleich verteilt. Wie können wir dazu beitragen, dass das anders wird? Dass beispielweise Jugendliche in den ländlichen Gebieten Afrikas die Chance erhalten, sich das Wissen zu erarbeiten, das sie als Einstieg in eine Berufsbildung dringend benötigen? Ein Team von Lehrpersonen und Studentinnen unter der Leitung von Urs Gröhbiel hat zwei Wochen in Simbabwe zugebracht und hat vor Ort einiges implementieren können. An einer Schule mit 500 Schülerinnen und Schülern wurden ipads eingeführt, Zugang zu kostenlosen online-Bildungsplattformen geschaffen und 11 Lehrpersonen pädagogisch beraten.

Gut besucht und von regem Interesse geprägt war der Infoabend des Vereins vergangene Woche. Urs Gröhbiel und Team berichteten über ihre Reise nach Simbabwe.  Fachleuten, Studierenden und Interessierten wurden neu lancierte Projekte präsentiert. Markus Bäumler gab ein Update zur Projektidee zu einer Basler Lernplattform, die  Ehrenamtlichen erleichtern soll,  Geflüchteten Deutschunterricht zu geben.  Neben Fakten zur Reise wurden leckeres Essen und Infos zu Land und Leuten geboten. Eine „silent auction“ erbrachte über 600 CHF, die nun dem Projekt zugute kommen wird. Für Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche stellen sich in den nächsten Schritten folgende Herausforderungen:

Wie können wir ehrenamtlichen Lern-Coaches in Basel helfen, mit Geflüchteten unsere Sprache zu trainieren?

Wer hat Interesse, über whats-app Lehrpersonen in Simbabwe zu coachen?

(c) by Fotostudio Gianni Groppello